Glossar · Bewertung & Kennzahlen

DCF-Verfahren (Discounted Cashflow)

Das DCF-Verfahren (Discounted Cashflow) ermittelt den Unternehmenswert, indem künftige frei verfügbare Cashflows mit einem Kapitalkostensatz (WACC) auf den heutigen Tag abgezinst werden. Es ist ein zukunftsorientiertes, kapitalwertbasiertes Bewertungsverfahren und international der Standard für die Unternehmensbewertung im Transaktionskontext.

Grundidee: Wert ist abgezinster künftiger Cashflow

Das DCF-Verfahren beruht auf einem klaren Prinzip: Ein Unternehmen ist so viel wert wie die Summe der Geldströme, die es in Zukunft erwirtschaften wird – heruntergerechnet auf den heutigen Wert. Künftiges Geld ist weniger wert als heutiges, weil es mit Risiko und Zeitverzug behaftet ist. Genau diesen Effekt bildet die Abzinsung (Diskontierung) ab.

Bewertet werden die frei verfügbaren Cashflows (Free Cashflows), also der Cashflow, der nach Investitionen und Working-Capital-Veränderungen für die Kapitalgeber übrig bleibt. Im gebräuchlichen WACC-Ansatz (Entity-Methode) ergibt die Summe der abgezinsten Cashflows zunächst den Enterprise Value.

Die Bewertung gliedert sich in zwei Phasen: eine Detailplanungsphase (meist 3 bis 5 Jahre mit konkreter Planung) und eine ewige Rente darüber hinaus, den Terminal Value.

DCF-, Ertragswert- und Multiplikatorverfahren im Überblick

VerfahrenAusrichtungBezugsgrößeTypische Anwendung
DCF-Verfahrenzukunftsorientiertfreie Cashflows, WACCinternationale Transaktionen
Ertragswertverfahrenzukunftsorientiertkünftige NettoerträgeMittelstand, IDW-Gutachten
Multiplikatorverfahrenmarktnah, vergangenheitEBIT/EBITDA/Umsatz × Faktorschnelle Indikation, Plausibilisierung

Der Abzinsungssatz WACC

Der Kapitalkostensatz, mit dem abgezinst wird, ist der WACC (Weighted Average Cost of Capital) – die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten aus Eigen- und Fremdkapital. Er drückt aus, welche Rendite die Kapitalgeber für das eingegangene Risiko erwarten.

Der WACC ist der sensibelste Hebel im DCF: Schon kleine Änderungen verschieben den Unternehmenswert erheblich. Ein höherer WACC – etwa bei höherem Risiko oder steigenden Zinsen – senkt den Wert deutlich. Deshalb gehört zu jeder seriösen DCF-Bewertung eine Sensitivitätsanalyse.

Terminal Value und Brücke zum Kaufpreis

Der Terminal Value (Restwert, ewige Rente) bildet den Wert aller Cashflows nach der Detailplanungsphase ab. Er wird meist über die Formel Terminal Value = nachhaltiger Cashflow / (WACC − Wachstumsrate g) berechnet und anschließend ebenfalls auf den heutigen Tag abgezinst.

In der Praxis macht der Terminal Value oft den Großteil des Gesamtwerts aus – nicht selten 60 bis 80 Prozent. Das ist zugleich seine größte Schwäche: Kleine Annahmen zur ewigen Wachstumsrate g haben enorme Hebelwirkung. Die Wachstumsrate sollte konservativ angesetzt werden, meist im Bereich der langfristigen Inflation.

Vom errechneten Enterprise Value führt – wie bei allen Enterprise-Value-Verfahren – die Kaufpreisbrücke zum Equity Value: abzüglich Nettoverschuldung, angepasst um das Working Capital. Die Eingangsgrößen wie Planungsannahmen und Cashflow-Qualität werden in der Due Diligence kritisch geprüft.

DCF, Ertragswert und Multiplikator im Vergleich

DCF- und Ertragswertverfahren sind eng verwandt – beide zinsen künftige Erfolge ab und sind zukunftsorientiert. Der Unterschied liegt in der Bezugsgröße und der Tradition: Das Ertragswertverfahren (IDW S1) ist im deutschen Mittelstand und für gerichtsfeste Gutachten Standard und stellt auf abgezinste künftige Nettoerträge ab. Das DCF stellt auf frei verfügbare Cashflows ab und ist international etabliert. Bei konsistenten Annahmen führen beide zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Das Multiplikatorverfahren hingegen ist marktnah und vergangenheitsbasiert und dient meist der Plausibilisierung. In der Praxis kombiniert man die Verfahren, um den Wert von mehreren Seiten abzusichern. Eine ausführliche Methodenübersicht bietet die Unternehmensbewertung, eine erste Indikation der Unternehmenswert-Rechner.

Das DCF-Verfahren ist rechenintensiv und stark annahmegetrieben – für belastbare Ergebnisse empfiehlt sich fachkundige Begleitung. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Bewertung oder steuerliche Beratung.

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Häufige Fragen

Wie funktioniert das DCF-Verfahren?

Künftige frei verfügbare Cashflows werden geplant und mit dem Kapitalkostensatz WACC auf den heutigen Tag abgezinst. Die Summe aus abgezinster Detailplanung und abgezinstem Terminal Value ergibt den Enterprise Value, der über die Kaufpreisbrücke zum Equity Value wird.

Was ist der WACC?

Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) sind die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten aus Eigen- und Fremdkapital. Er bildet die Renditeerwartung der Kapitalgeber für das eingegangene Risiko ab und ist der Abzinsungssatz im DCF. Schon kleine Änderungen verschieben den Unternehmenswert deutlich.

Was ist der Terminal Value?

Der Terminal Value ist der Restwert aller Cashflows nach der Detailplanungsphase, berechnet als ewige Rente. Er macht oft 60 bis 80 Prozent des Gesamtwerts aus und reagiert sehr empfindlich auf die unterstellte langfristige Wachstumsrate, die deshalb konservativ angesetzt werden sollte.

Was ist der Unterschied zwischen DCF und Ertragswertverfahren?

Beide sind zukunftsorientiert und zinsen künftige Erfolge ab. Das DCF stellt auf frei verfügbare Cashflows ab und ist international Standard, das Ertragswertverfahren (IDW S1) auf künftige Nettoerträge und ist im deutschen Mittelstand sowie für gerichtsfeste Gutachten gebräuchlich. Bei konsistenten Annahmen liefern beide ähnliche Werte.

Für welche Unternehmen eignet sich das DCF-Verfahren?

Besonders für Unternehmen mit belastbarer Planung und stabilen, prognostizierbaren Cashflows. Bei stark schwankenden oder schwer planbaren Geschäftsmodellen ist die Aussagekraft begrenzt, weil das Verfahren sehr stark von den Planungsannahmen und dem WACC abhängt.

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